Christoph Rath

Samuel Streiff

Meret Hottinger, Ursula Reiter

Ursula Reiter

 

Deviare – Vier Agenten – Part of A Movie

‹Deviare – Vier Agenten – Part of a Movie› fand als Live-Spiel einer/eines Akteur_in rund um das Teatro Fundamenta Nuove statt – vom 1. Mai bis 3. Oktober 2011, täglich in vier halbstündigen Wiederholungsschlaufen. Es war über Lautsprecher für die Betrachter_innen und Passant_innen in den Gassen und am Quai rund um das Theater, bis ins Entree und die Toiletten hinein zu hören und mitzuverfolgen. Der Videobildschirm im Theater-Foyer nahm die Konvention von vorankündigenden Aufführungsausschnitten an, bezog die Betrachter_innen und zufälligen Passant_innen dabei aber direkt in das Geschehen ein: Denn die drei regieführenden Figuren blickten – in Parodie einer Skype-Schaltung – direkt in das Auge des/der Betrachter_in …
    ‹Deviare – Vier Agenten – Part of a Movie› war ein Beitrag zu Andrea Thals Biennale-Venedig Programm ‹Chewing the Scenery›. Das Projekt rund um das Teatro Fondamenta Nuove, in Sichtweite der Friedhofsinsel San Michele, entfaltete einen Konflikt zwischen zwei Instanzen: Im Entree des Theaters führten drei Figuren im Videobildschirm ein Gespräch in Englisch, Italienisch und Deutsch. Sie schickten eine vierte Figur live in eine fiktive Spielhandlung. Diese_r Agent_in sollte, als bettelnde_r Rom_a verkleidet, Belege für diskriminierendes Polizeiverhalten sammeln. Bald schon sah sich die/der Agent_in von ihrer/seiner Auftraggeberin, der Interpol selber, verfolgt. Denn Personenfreizügigkeit wird von der Behörde entgegen öffentlichen Beteuerungen in Bezug auf Fahrende nicht toleriert. – Eine Auseinandersetzung darüber, wie nun zu spielen wäre, bricht zwischen der/dem Agent_in und den drei regieführenden Figuren auf. In Bedrängnis geraten zieht die live spielende Figur ein neues Register: Im Rahmen der Spielhandlung behauptet sie, bereits über Belege darüber zu verfügen, wie Interpol die Fahrende Bevölkerung kriminalisiert. Die Figur sagt von sich: Ich bin kein_e Agent_in, ich bin ein_e IT-Manager_in, im Besitz einer brenzligen Daten-CD. Diesen Ausbruch aus dem vorgeschrieben Skript kontern die Regie-Stimmen, indem sie eine Datenübergabe auf der Friedhofsinsel – und damit in Nähe Tod – als Erlösung von den politischen Bemühungen der Agent_in anpreisen. Und sie zeigen der/dem vor Ort agierenden Agent_in, dass er/sie selber einer/eine von ihnen ist: Im Videofilm tritt der/die Agent_in selbst auf, um sich von der eigenen medialen Verfasstheit zu überzeugen. Die/der live spielende Agent_in, bzw. Manager_in, flieht aus dieser Selbstkonfrontation: Lieber veranlasst sie/er den Neubeginn, das erneute Proben der Szene mit sich selbst. Sie/er wirft sich, ihr/sein Selbstbild, wie auch die dreiköpfige Regie in einen nächsten Loop … der Bogen zwischen Fremd- und Selbstbefragung schlägt sich erneut …
     Als installative Dramatisierung setzte ‹Deviare – Vier Agenten – Part of a Movie› die Schwelle zwischen der Ausstellung und dem städtischen bzw. touristischen Alltag Venedigs so niedrig wie möglich: Wer dem Stück in einer ersten Gasse als Hörspiel begegnete, sah sich möglicherweise bald mit der Performance einer Figur im Mantel an der Tankstelle konfrontiert … bis sich aus der Interaktion von Videofilm und Performance (sowie die Wiederholung in vier Schlaufen) ein medial eigener Dialog entspann.

Director: Tim Zulauf
 
Actors: Meret Hottinger, Christoph Rath, Ursula Reiter and Samuel Streiff

Translation: SUBTEXT – Katharina Bürgi (Italian), Linda Cassens Stoian (English)

Camera: Sebastian Geret
 
Focus: Philipp Künzli, Björn Detre
 
Editing: Guido Henseler
 
Sound: Ramon Orza

Costume: Zuzana Ponicanova
 
Make-up: Connie Sacchi, Tanja Maria Koller
 
Studio: FTK, Zürich, Letzi Studio

Live performances:
 Preview Days Schedule: 31 May 2011: 16:00 – 18:00
1 June 2011: 10:00 – 11:30
and 16:00 – 17:30
2 June 2011: 10:00 – 11:30 (press)
and 16:00 – 17:30
3 June 2011: 10:00 – 11:30 (breakfast)
and 16:00 – 17:30
Permanent Schedule: 4 June – 2 October 2011
Tuesday – Sunday: 16:00 – 18:00 (in four cycles)



Excerpts from the publication «Chewing the Scenery» [opens as PDF]:
A text by Joerg Franzbecker and a literary exchange between Andrea Thal and Tim Zulauf

The Project was generously supported by BAK–Bundesamt für Kultur–Schweizerische Eidgenossenschaft